Jetzt hat Orbán mal - auf unelegante Weiße – den Spiegel von
Selenski vorgehalten bekommen. Erneut geht es um Sanktionen gegen Russland,
erneut blockiert Urbans Ungarn. Dabei wurde die Pipeline von Russland
beschädigt.
Urbans Blockade
Dass Ungarn nicht gut auf die EU zu sprechen ist und die
nationalen Interessen über das der EU stellt, ist seit fast einem Jahrzehnt
bekannt. 2018 wurde ein Verfahren gem. Art. 7 des EU-Vertrags (Vertrag von
Lissabon, 2009) wegen Korruption und der Einschränkung der Rechtsstaatlichkeit
in Ungarn eingeleitet, dass ihm die Unterstützung um 7,5 Mrd. Euro gekürzt
werden sollte.[1] Die
EU-Kommission begründet das damit, dass geschätzt vier Prozent der EU-Förderung
in korrupte Strukturen sickern würde.[2]
Noch läuft das Verfahren gegen Ungarn, zuletzt (2022, die Mühlen mahlen
langsam) wurde die Nichtigkeitsklage von Ungarn gegen die EU vom EuGH
abgewiesen.[3]
Und nun blockiert Orbán erneut jedwede Form der Sanktion
gegen Russland wegen des Krieges gegen Ukraine. Daniel Freund, sitzt im
Verfassungs- und Haushaltskontrollausschuss, Vorsitzender der Arbeitsgruppe
gegen Korruption, sagt dazu:
„Orbán führt die ganze
Europäische Union an der Nase rum, er legt bei jeder einzelnen Sanktion gegen
Russland, bei jeder Unterstützung der Ukraine, sein Veto ein, und jedes Mal
sorgt er dafür, dass die Europäer (die EU, eig. Anm.) handlungsunfähig oder
abgeschwächt werden, oder er holt für sich eine Extrawurst raus, oder presst
wieder Milliarden für sich frei.“ (Daniel Freund, B90/Die Grünen, Interview
bei MOMA transkribiert)[4]
Ungarns Öl-Abhängigkeit
Orbáns widersprüchliche Politik
Bis 2025 – während Bidens Regierungszeit – blockierte Orbán
nicht total, sondern milderte Sanktionen gegen Russland ab oder verzögerte.
Manchmal blockierte er doch. Es war ein politisches Taktieren zwischen
Verweigerung und Kooperation. Seit Trump erneut an der Macht ist, nimmt auch Orbáns
Sturheit zu.
Er blockiert, indem er 2022 das vollständige Öl-Embargo und
die Sanktion des russisch-orthodoxen Kirchenoberhauptes Kyrill verhinderte[8].
Darüber hinaus blockierte er allgemein EU-Vorhabe, wie die internationale
Mindeststeuer[9].
Er kooperierte, indem er eine neue Behörde gegen Korruption errichtete,
doch Ungarn gehört weiterhin zum Schlusslicht in der EU, mit 41 von 100 Punkten
(Stand: 2024)[10].
Auf Anfang: neue Blockaden
Inzwischen hat sich die Lage zwischen Ukraine und Ungarn
zugespitzt: Die Druschba-Pipeline wurde im Januar durch einen russischen
Angriff beschädigt. Selensky geht davon aus, dass sie innerhalb von drei
Monaten repariert sein könne, doch die Reparaturen macht er von EU-Hilfen
abhängig[11]. Und
die werden von Ungarn blockiert. Von seiner Blockade will Orbán erst ablassen,
wenn die Blockade der Finanzhilfen für Ungarn aufgelöst wird. Und die werden
wegen der rechtsstaatlichen und politischen Probleme (Freiheitsrechte,
Korruption) seitens der EU zurückgehalten.
Russlands Taktik
Russlands Krieg hat die Energiepreise in die Höhe schießen
lassen – auch in Ungarn. Und nun treibt er einen weiteren Kreil zwischen die
EU-Staaten, indem Putin schlicht eine Pipeline beschädigt. Ungarn ist weiterhin
vom russischen Öl abhängig, und hatte - wie auch die Slowakei – erhebliche
Problem an Alternativen zu kommen, weshalb die EU den betroffenen Ländern
(Öl-Abhängigkeit und Problem bei Alternativen) Ausnahmen für russisches Öl
gewährte.
EU und die 26 Willigen sind am Zug
Was die EU nun tun kann, um die Eskalation zu verhindern,
ist proaktiv zu werden: repariert doch selbst die Pipeline und löst damit das
Problem, auch indem ihr für die Sicherheit vor Ort sorgt, ohne selbst militärisches
Personal einzusetzen, sondern in Form der bilateralen (die 26 Willigen) finanziellen
Unterstützung militärischen und ingenieurstechnischen Guts, dass dann auch schnell
geliefert wird.
Und unterstützt direkt die ungarische Energietransformation,
helft beim Bau von Windanlagen und Solarparks – unter der Bedingung, dass
Ungarn die Blockade der Ukraine-Hilfen & -Kredite aufgibt. Das die
vorgabengebundenen EU-Hilfen funktionieren hat Ungarn gezeigt. Wie oben bereits
dargelegt: die ungarische Weltspitze in Erneuerbaren Energien sind diesen
EU-Hilfen mit zu verdanken[12].
Darüber hinaus sollten die Transitgebühren von der EU
getragen werden, weil die schnellste alternative Belieferung aktuell über die
Adria-Pipeline möglich wäre. Die Bedenken wegen potenzieller Korruption sollten
dabei eine untergeordnete Rolle spielen, da der geopolitische Hintergrund deeskaliert
werden sollte, um der russischen Taktik der Eskalation zwischen den
europäischen Staaten kaltes Wasser zu übergießen.
Lass gut sein Orbán
Und Orbán sollte mit seiner Propaganda aufhören: mit Stand Anfang
März reichen die Ölvorräte noch für 3 Monate.[13]
Und wir haben Anfang März, die Wahlen in Ungarn finden im April statt – die Reserven
reichen demnach noch bis Ende Mai.
[1] Ungarn
und der Rechtsstaat: Jetzt droht der Verlust von EU-Milliarden
(beck-aktuell. Heute im Recht)
[3] Rechtssachen
- InfoCuria - Gerichtshof der Europäischen Union (Rechtssache C-156/21)
[4] Ungarns
Blockade: Kann die EU Orban umgehen? (Video, ZDF-MOMA)
[5] Streit
um Druschba-Pipeline: Ungarn stoppt Geldtransport und Gold-Schmuggel,
ukrainische Banker festgenommen (Berliner Zeitung)
[6] Energiewende:
Ausgerechnet Klimabremser Orban macht Ungarn zum Solar-Weltmeister - FOCUS
online (Focus)
[7] Turning
to the sun: Solar rise in Central Europe | Ember ( Ember Energy
Research CIC)
[10] CPI
2024 - Transparency International Hungary (Transparency International)
